Robert Langdon ist zurück! Mit „The Secret of Secrets“ legt Dan Brown seinen neuesten Thriller rund um den beliebten Symbologie-Professor Robert Langdon vor – eine Mischung aus bewährtem Konzept und neuen, metaphysischen Themen.
Die Geschichte spielt in Prag: Langdon begleitet die Noetik-Forscherin Katherine Solomon zu einem Vortrag über ihre visionären Erkenntnisse über Bewusstsein und Realität, die sie demnächst in einem aufsehenerregenden Buch veröffentlichen will. Dann geschieht ein Mord, Katherine verschwindet, ihr Manuskript wird gestohlen – und Langdon begibt sich auf eine rasante Jagd durch Prag, um das Rätsel um ein geheimes Projekt zu lösen, das das Verhältnis von Geist, Gehirn und Wirklichkeit neu definieren könnte. Das Setting ist – wie man es von Dan Brown kennt – atmosphärisch dicht: Prag mit seinen gotischen Elementen, alten Legenden und symbolträchtigen Orten wird zur Bühne für Verschwörung, Wissenschaft und Mythos. Auch diesmal spielen Symbole eine Rolle, nach meinem Dafürhalten jedoch nicht in dem Umfang wie z. B. In The Da-Vinci-Code (Sakrileg) oder Origin.
Brown bleibt seinem Stil treu: kurze Kapitel, 137 an der Zahl, Cliffhanger-Enden, rasantes Tempo, viele Schauplätze, rätselhafte Zeichen und Geheimorganisationen. Kritikern zufolge gelingt ihm erneut der „Page-turner“, also ein Buch, bei dem man schwer vom Lesen loskommt, was ich nur bestätigen kann! Allerdings: In den wissenschaftlichen und philosophischen Passagen greift er tief in abstrakte Themen – wie Bewusstsein, Noetik, die Verbindung von Geist und Materie – hinein. Diese Ausflüge sind spannend, wirken aber mitunter so, als sollten sie mehr provozieren als wirklich erklären, so beschreibt es die Washington Post. Ich finde allerdings, dass gerade dieses schwierige und selten in der populären Literatur aufgegriffene Thema von ihm sehr gut und verständlich in die Geschichte eingebaut wurde. Trotzdem gibt es Passagen, wo der Normalleser an seine intellektuellen Grenzen kommt. Wer aber Brown kennt und mag, bekommt spannende Verfolgungsjagden, Rätsel, alte Städte, Symbolik, Codes und bedrohliche Geheimorganisationen. Ideal für verregnete Nachmittage auf der Couch! Prag als Kulisse wirkt stimmig und reizvoll – mystisch, historisch, symbolträchtig und erinnert an die spannende Jagd durch Rom auf den Spuren der Illuminaten. Die schwierigen, metaphysischen Fragen über das Bewusstsein, über das Leben und über das, was danach kommt, ist eine willkommene Erweiterung gegenüber früheren Brown-Werken.
Natürlich gibt es auch ein paar Schwächen, aber das empfindet natürlich jeder anders. Ohne zu spoilern, fand ich z. B. Langdons Reaktion nach der nächtlichen Begegnung auf der Brücke gleich zu Beginn etwas übertrieben für einen rational und geradeaus denken Wissenschaftler. Aber ganz ehrlich, ich liebe die Geschichten um Robert Langdon einfach zu sehr, um mich an solchen Kleinigkeiten zu stören. Manche kritisieren die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit: Die philosophischen und wissenschaftlichen Erklärungen geraten mitunter ins Überspitzte – Skeptiker bemängeln, dass hier mehr Spekulation als Forschung vermittelt werde, schreibt DIE WELT. Leute, es ist ein spannender Roman, ein Thriller, keine wissenschaftliche Abhandlung oder eine Doktorarbeit! Tatsächlich fand ich die Erklärungen, Überlegungen, Ableitungen und Schlussfolgerungen oft sogar ziemlich einleuchtend und ich habe mir vorher über diese Themen noch nie den Kopf zerbrochen, geschweige denn hätte ich Ahnung davon!
Das Buch ist somit ideal für Leser, die bereits Brown-Fans sind und sich von der gewohnten Langdon-Formel ansprechen lassen: Rätsel, historische Symbolik, Action, Reisen. Wer pure Wissenschaft erwartet, ist in einer Universitäts-Fachbibliothek besser aufgehoben. Wer offen ist für philosophische Spekulationen über Bewusstsein und Realität, verpackt in eine ungemein spannende Handlung mit überraschenden Wendungen – und dabei bereit ist, Ungereimtheiten zu akzeptieren –, wird hier mehr finden als einen „nur“ klassischen Thriller.
Wenn es Sterne zu vergeben gäbe, wäre ich auch hier – wie bei allen Büchern von Dan Brown – bei einer klaren 5 von 5.
Viel Spaß beim Lesen!
Übrigens: Im Klappentext wird auf eine Webseite von Lübbe hingewiesen, die wohl etwas mit den Symbolen auf dem wunderschön gestalteten Einband der Hardcoverausgabe zu tun haben. Zum Zeitpunkt, da ich diese Rezension schreibe (24.10.25) war diese Seite jedoch (noch?) nicht aufrufbar.
Titelbildquelle: Amazon
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