Traumschleife Gräfin Loretta

Nach der enttäuschenden Erfahrung mit dem Hemingway-Trail war ich diesmal auf einem Themenwanderweg, der diesen Begriff auch verdient hat! 

Über die B41 gelangt man nach etwa einer Stunde – je nach Verkehr  natürlich – nach Frauenberg, wo in der Bahnhofstraße direkt am Ufer der Nahe ein sehr schöner Wanderparkplatz wartet. Eine Infotafel nebst Flyern hält Informationen über die Besonderheiten der Gegend bereit. Direkt am Parkplatz schon der Hinweis auf das erste Highlight, nämlich die Frauenburg.

Der Weg beginnt kurz hinter den beiden Häusern, die wir bei der Anfahrt passiert haben, ein hübsch gestaltetes Portal weist den Weg. Diese Portale finden sich übrigens an vielen Stellen des Wegs. Finde ich sehr schön gemacht! Am Einstieg befindet sich noch ein Gedenkstein an den Ort „Tal-Frauenberg“, den es einst hier gegeben hat und der durch ein verheerenden Hochwasser 1761 zerstört und schließlich aufgegeben wurde.

Nach vielleicht hundert Metern ist immer noch nichts von der Burg zu sehen, doch dann tauchen die ersten Mauerreste auf, ein schmaler Trail zweigt nach rechts ab und dann erheben sich plötzlich die trutzigen Mauern der kleinen Burg. Die Ruine ist sehr gepflegt und gut erhalten bzw. restauriert. Es gibt nicht allzu viel zu sehen, die Türme sind verschlossen, aber nach Anmeldung kann man wohl eine Führung durchs Innere bekommen. Übrigens, einer Legende zufolge war im linken, kleineren Turm einst Rapunzel zuhause 🙂

Nach einem kurzen Aufenthalt verlassen wir die Burg auf einem weiteren Pfad, der wohl den eigentlichen, ursprünglichen Burgweg darstellt. Man durchquert ein kleines, kühles Tal mit Bachlauf, dann geht es ein paar hundert Meter bergauf, bis man auf einem asphaltierten Forstweg steht. Zeit für eine kurze Pause und den obligatorischen Klamottenwechsel. Dieser Weg wiederum mündet in eine Straße, die sehr nach militärischer Nutzung aussieht, immerhin grenzt unser Weg an den Truppenübungsplatz Baumholder. Noch zwei Ausblicke gibt es auf die kleine Burg, bis sie endgültig zurückbleibt.

Es geht gleich wieder in den Wald, wo wir nach kurzer Zeit auf einen schönen Pausenplatz mit Tisch und Bänken treffen und wo uns eins von den Portalen den weiteren Weg hoch zum Nahekopf weist. Aber erstmal was essen und die schöne Aussicht genießen!

Oben angekommen, erwartet den Wanderer eine Überraschung. Neben einer großen Schutzhütte, einem Grillplatz und der schönen Fernsicht gibt es hier oben die „Kaiserallee“ Sie erinnert an die spätrömische Geschichte und präsentiert auf 12 großen, kunstvoll gestalteten Stelen die wichtigsten römischen Kaiser, die zur Zeit der Besiedelung des Nahekopfes regiert haben. Bereits in den Jahren 1995/96 fanden erste Ausgrabungen auf dem Nahekopf statt. Zwischen den einzelnen Kaiserstelen befinden sich außerdem die originalen Sandsteine, die auf dem Nahekopf gefunden wurden.

Im Anschluss an die Allee erreicht man einen weiteren Rastplatz, wo man zwei steinerne Nachbildungen römischer Kampfschilde aufgestellt hat. Über eine kurze Schleife durch eine duftende Wiese gelangt man zurück auf den Wanderweg und kommt kurz darauf zu einer Stelle, an der sich Untersuchungen zufolge einst ein römisches Zugangstor befunden haben soll.

DSC01433

Bergab durch kühlen Wald gelangt man zu einer großen Kreuzung und kommt  dabei an der „Heidenquelle“ vorbei, die allerdings so unscheinbar daherkommt, dass man sie ohne Hinweis gar nicht als solche erkennen würde.

DSC01444

Der Weg führt nun genau an der Grenze zum Truppenübungsplatz entlang, was einem immer wieder durch Schilder signalisiert wird.

DSC01446

Sir, jawohl Sir!!! Und außerdem will ich sowieso weiter, denn die nächste Überraschung lässt nicht lange auf sich warten. 

An einem schattigen Rastplatz unter hohen Bäumen, neben einem kleinen Bach und einem plätschernden Brunnen, unter dem man sich prima den Schweiß runterwaschen kann, hatte ich eine Begegnung der sehr seltenen und ungewöhnlichen Art. Mitten auf dem Weg hüpfte mir plötzlich eine dicke Kröte vor die Füße. Als ich sie mir näher ansah, bemerkte ich eine kleine Verletzung in der Maulgegend. Dann aus dem Augenwinkel noch eine Bewegung im Sand. Eine ausgewachsene Ringelnatter, die mich ziemlich finster musterte und mit erhobenem Kopf anzüngelte. Auch sie schien ein bisschen verletzt zu sein. Ringelnattern fressen auch Kröten, daher kamen die Verletzungen wohl von einem Kampf der beiden, den ich vielleicht zufällig unterbrochen hatte.

DSC01450

Von der Natter habe ich dummerweise kein Foto gemacht, aber ich empfehle das Video anzugucken. Schlange auf der Flucht und Kröte zurück am Wasser.

Es sind sind solche Begebenheiten, die die Touren spannend machen. Man weiß nie, was einen um die nächste Ecke erwartet. Ich habe z. B. noch nie eine freilebende Ringelnatter gesehen und das ist schon irgendwie ein besonderes Erlebnis. Auch wenn ich sie vermutlich in diesem Fall um die Beute gebracht habe …

Im Verlauf des Weges erreicht man das hoch über der Nahe gelegene Hammerstein (im Video hab ich irrtümlich „Frauenberg“ geschrieben) und über das dortige Freizeitgelände des Verschönerungsvereins einen schmalen und kurvigen Trail runter zum Fluss. Der kurze Weg hat es in sich. Geröll, Steine und Wurzeln erfordern Trittsicherheit! Nach der Unterquerung einer Straßenbrücke wandert man kurz an der ruhig fließenden Nahe entlang, passiert diese dann auf einer Fahrradbrücke und geht dann quasi in entgegengesetzter Richtung ein paar hundert Meter „zurück“. Direkt unter einer Eisenbahnbrücke gibt es dann zur Abwechslung mal eine Gelegenheit, die Füße ins kalte Wasser zu halten!

Anschließend geht es wieder ein Stück durch dichten Wald, bis man auf den „Teufelsgraben“ trifft, ein kleines Tal, eigentlich mehr ein Geländeeinschnitt, der einst eine natürliche Grenze zwischen zwei Gemeinden darstellte. In früheren Zeiten sollen hier Tiere und sogar Menschen spurlos verschwunden sein, weswegen man Teufelswerk annahm und den Klumpfüßigen in diesem kleinen, etwas düsteren Tal verortete. Ein kleiner Bach, eher ein Rinnsal, gluckert vor sich hin und es bedarf keiner Brücke, ihn zu überqueren.

Dann stehe ich plötzlich vor einer Flatterband-Absperrung. Wegen „Felssturz“ ist der Weg gesperrt, aber auch kein Hinweis auf eine Umleitung. Allerdings hätte die mich sowieso nicht interessiert, ich umgehe die Absperrung und folge dem Weg so, wie ich allen Wegen folge. Mit offenen Sinnen in alle Richtungen!

Auf dem Weg gibt es noch einen netten Aussichtspunkt auf den Klausfelsen am gegenüberliegenden Naheufer, auch genannt „Naheloreley“

(Bildquelle: pfalz.de)

Aus dem Wald heraus durchquert man kurz darauf eine Unterführung und befindet sich auf einem asphaltierten Wanderweg. Nicht lange und man erreicht das Portal zum „Elfensumpf-Pfad“. Ich gebe zu, meine vergangenen Erfahrungen mit sumpfigen und mückenverseuchten Abschnitten veranlassen mich, diesen letzten Teil zu umgehen und dafür zwar in praller Sonne, aber trocken die letzten paar hundert Meter bis zum Ziel zurückzulegen.

Bald darauf schließt sich die Traumschleife Gräfin Loretta auch schon wieder in der Bahnhofstraße, wo der Bus mit kaltem Getränk und einer schnellen Dusche wartet.

Das Video zur Tour findet sich auf meinem Videokanal!

Hinterlasse einen Kommentar

Website bereitgestellt von WordPress.com.

Nach oben ↑