S. K. Tremayne – Die Stimme (Rezension)

Der gute Sir Alfred Hitchcock hätte seine helle Freude daran, würde er noch leben. Das war mein erster Gedanke, nachdem ich das Buch beendet hatte. Wow! Was für ein cooler Thriller!

Die freie Journalistin Jo Ferguson, Single und ständig knapp bei Kasse, wohnt zur Untermiete bei ihrer Jugendfreundin Tabitha, die ständig beruflich unterwegs ist. Wenn nicht, lebt sie bei ihrem Freund und somit hat Jo die schicke Wohnung in einem teuren Londoner Viertel die meiste Zeit für sich alleine. Die Wohnung ist mit diversen „Assistants“ ausgestattet, die auf Ansprache reagieren, das Licht ein- und ausschalten, die Heizung steuern, Wecker stellen usw. Sie heißen „Electra“ oder „HomeHelp“. Amazon und Google lassen grüßen. Jo leidet unter dem Alleinsein, all ihre Freunde haben zeitaufwändige Jobs, so nutzt sie die Assistants, um wenigstens mal eine andere Stimme in der ansonsten leeren Wohnung zu hören.

Eines Tages jedoch fangen die Assistants von selbst an, zu sprechen. Sie wissen vom schlimmsten Ereignis in Jo’s Leben, kennen Details, die niemand eigentlich wissen kann und nicht nur das: Electra verschickt im Namen von Jo hasserfüllte Mails an alle ihre Freunde, Kollegen, ihren Arbeitgeber und sogar ihre Mutter. Jo’s Konto wird leergeräumt, ihre Kreditkarten bis zum Anschlag belastet. Sie ist nervlich und finanziell ruiniert.

Niemand glaubt Jo und sie kann nicht beweisen, dass die Assistants eigenständig handeln und sie ganz offensichtlich gehackt wurde. Jo wird wieder schmerzhaft an ihren Vater erinnert, der unter Schizophrenie litt und sich schließlich das Leben genommen hat. Leidet sie unter derselben Krankheit?

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Alter Falter, kann ich nur sagen!

Es ist wirklich lange her, dass mich ein Roman dermaßen gefesselt hat! Ein bisschen musste ich an den Film „Mitternachtsspitzen“ denken, mit Doris Day und Rex Harrison.

Der Autor greift ein aktuelles Thema auf und macht daraus eine atemberaubende Tour de Force. Was, wenn sich die moderne Technik tatsächlich verselbständigen würde und sich gegen den Schöpfer stellt?

Eigentlich mag ich Erzählungen aus der ersten Person Präsens nicht so sehr. „Ich gehe ins Bad, da fällt mir ein …“ oder „Ich sitze gerade beim Frühstück, da klingelt es an der Tür“, aber hier stimmt alles. Die Rückblenden sowie die Erzählungen aus Sicht der anderen Protagonisten sind wie gewohnt in der dritten Person verfasst und das funktioniert.

Man leidet mit Jo mit, spürt ihre Hilflosigkeit wie z. B. in der Szene, in der Tabitha ebenfalls anwesend ist, in die Küche geht und nicht mitbekommt, wie Electra plötzlich Jo anspricht. Jo ruft verzweifelt nach ihr und als sie dazukommt, reagiert Electra wie jeder gewöhnliche Sprachassistent. Ebenso atmet man auf, als Jo doch nach und nach dahinterkommt, wer für die Angriffe verantwortlich ist und warum. Während dem Showdown ist es geradezu unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen.

Wenn es eine Übertreibung anzumerken gibt, dann die Manipulation von Simons Auto im Finale. Okay, moderne Autos sind im Prinzip Computer auf Rädern und können wohl ebenso manipuliert werden, aber in der Geschichte wirkt dieser Aspekt ein klein bisschen aufgesetzt. Und doch schadet es der Story nicht im Geringsten!

Die anderen Romane des Autors stehen zweifellos auf meiner Leseliste!

(Titelbild von lovelybooks)

Ein Kommentar zu „S. K. Tremayne – Die Stimme (Rezension)

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  1. Fein, Sie lesen ein Buch! Ich habe vor kurzen auch einen klassischen Krimi,nämlich die „Diskreten Zeugen“ von Dorothy Sayers gelesen und dann hattte Patricia Highsmith vor kurzem auch ihrem hundersten Geburtstag!

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