Von 18 bis 88: Wenn die barocke Potsdamer Garnisonkirche zum „Nazibau“ wird (Philosopia Perennis)

Linke Dummheit Reloaded wäre ein passender Alternativtitel für diesen neuerlichen Schwachsinn LinksRotGrün-Verstrahlten Denkens. Der Gastautor Frank Steinkron verdeutlicht dies sehr anschaulich anhand der Potsdamer Garnisonkirche. Zurücklehnen, genießen und aufpassen, dass man vor lauter Kopfschütteln kein Schleudertrauma bekommt (UL)

Und wer mag, hier hab ich mich schon mal theatralisch mit diesem Thema befasst!

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Im antiken Rom gab es ein geflügeltes Wort: Respice finem. Wörtlich übersetzt heißt das so viel wie „Ziehe das Ende in Betracht“. Dieser Satz besaß damals eine zweifache Bedeutung. Im Sinne von „Bedenke Dein Ende“ rief er dem Menschen seine Sterblichkeit ins Gedächtnis. Im Sinne von „Führe dir vor Augen, worauf das letzten Endes hinausläuft“ forderte er dazu auf, die Konsequenzen des eigenen Handelns abzuwägen, Risiken und Nebenwirkungen mitzuberechnen.

In jüngerer Zeit hat dieser Satz eine dritte Bedeutung erlangt: „Betrachte alles von seinem Ende her“. Besonders im „Kampf gegen Rechts“ ist es üblich geworden, historische Entwicklungen vorrangig danach zu bewerten, was aus ihnen im Zeitalter des Nationalsozialismus geworden ist. Innerhalb dieser Sichtweise erinnern beispielsweise die Gegner des Wiederaufbaus der barocken Potsdamer Garnisonkirche daran, dass der Turm 88 Meter hoch gewesen sei. Da diese Ziffer in rechtsradikalen Kreisen für „Heil Hitler“ stehe (das H ist der achte Buchstabens des Alphabets), sei die Kirche ein „Nazibau“ gewesen.

Wegen „Suum cuique“ Potsdamer Glockenspiel abgeschaltet

Dieser Tage wurde nun auch das Potsdamer Glockenspiel abgeschaltet – unter anderem, weil sich auf einer Glocke die Inschrift „Suum cuique“ befindet. Bekanntlich handelt es sich bei dieser Devise um die lateinische Fassung des Leitsatzes „Jedem das Seine“, den die Nazis zynischerweise am Eingangstor des KZs Buchenwald angebracht hatten.

In einem Weltbild, in dem die NS-Zeit als finaler historischer Bezugspunkt fungiert, spielt es natürlich keine Rolle, dass die Erbauer der Garnisonkirche in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts das metrische System noch gar nicht kannten und den Turm folglich in einer Höhe von 132 preußischen Ellen entwarfen. Unerheblich ist auch, dass damals niemand wissen konnte, wer 1933 in Deutschland die Macht an sich reißen würde. Und selbstverständlich kümmert es die Garnisonkirchen-Gegner auch nicht, dass die preußischen Könige das „Suum cuique“ ganz anders auffassten als die Nazis. Dass sie auf der Grundlage von Platons ‚Politeia’ und Aristoteles’ ‚Nikomachischer Ethik’ die Rechtssicherheit zur primären staatsbürgerlichen Tugend erhoben hatten: in dem Sinne, dass jeder Bürger das Seine tun möge, dem Gemeinwohl zu dienen, und der Staat im Gegenzug zu gewährleisten habe, dass jeder Bürger bekomme, was ihm rechtmäßig zustehe.

Der Kampf gegen Rechts überlässt den Nazis nachträglich die Deutungshoheit über die Geschichte

Der Kampf gegen Rechts, so scheint es, läuft letztlich darauf hinaus, den Nazis nachträglich die Deutungshoheit über die Geschichte zu überlassen. Und hat man die nationalsozialistische Ideologie und die Symbolik der ehemaligen und heutigen Nazis erst einmal zum festen Punkt des gesellschaftlichen Universums erklärt, so lässt sich jede gegnerische Meinung leicht aus den Angeln heben.

Beispielhaft hierfür ist ein Vorkommnis, das man eigentlich als Provinzposse bezeichnen könnte, wäre es nicht so ernst. Im August hatte die AfD-Fraktion des niedersächsischen Landtags am Tag der Offenen Tür Packungen verteilt, in denen sich jeweils 18 Minzdragées „Zur Behandlung von leichter bis schwerer Volksverdummung“ befanden. Man mag die Aktion geschmacklos finden. Vor allem aber war sie kurzsichtig. Denn die Risiken und Nebenwirkungen der Pillen waren nicht bedacht worden. Nun steht die Beobachtung durch den Verfassungsschutz im Raum. Schließlich, so die offizielle Begründung, spielen die 18 Dragees mit der Ziffernfolge 1 und 8 auf Adolf Hitler an, was das Abgleiten der AfD vom Rechtspopulismus in den Rechtsextremismus evident mache. Das kommende Ende fest im Blick, zogen einige Landtagsabgeordnete Parallelen zum Beginn der NS-Zeit.

Zeit, das Autokennzeichen HH abzuschaffen

Tatsächlich ist höchste Wachsamkeit geboten. Was sich wohl der sächsische Wahlausschuss dachte, als er die Listenplätze der AfD auf 18 zusammenstrich? Was hatte der Gesetzgeber im Sinn, als er 1972 das Wahlalter auf 18 Jahre senkte? Doch auch andere Gepflogenheiten sollten zum „Prüffall“ werden: etwa die Abkürzung SS für „Sommersemester“ an den Universitäten oder das Autokennzeichen HH für „Freie und Hansestadt Hamburg“. Und vielleicht ist es nun auch an der Zeit, die Zahlensymbolik von Gesetzbüchern unter die Lupe nehmen. Zum Beispiel den Paragrafen 164 des StGB. Bekanntlich lässt sich die Zahl 164 in alphabetisierter Form als ein Geheimcode für AfD lesen. Man sollte diesen skandalösen Paragrafen am besten streichen, zumal er einen Tatbestand betrifft, an den manche Politiker heute ohnehin nicht gerne erinnert werden: den der „Falschen Verdächtigung“. Respice finem!

Dieser Artikel erschien zuerst auf David Bergers Blog Philosophia Perennis am 18.09.19 (Autor: Frank Steinkron)

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