Stephen King – Revival (Rezension)

Revival

Roman

Originaltitel: Revival
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt

Hardcover mit Schutzumschlag, 512 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-453-26963-7
Verlag: Heyne

Erscheinungstermin: 2. März 2015

Klappentext:

Der kleine Jamie spielt vor dem Haus mit seinen Plastiksoldaten, da schiebt sich ein dunkler Schatten über ihn, ein Schatten, den er sein Leben lang nicht loswerden wird. Er blickt auf und sieht Charles Jacobs über sich, den jungen Methodistenprediger, der in der neuenglischen Gemeinde gerade sein Amt antritt. Im Nu gewinnt der charismatische Jacobs die Herzen der gottesfürchtigen Einwohner. Den Kindern haben es vor allem die elektrischen Spielereien angetan, mit denen er Bibelgeschichten veranschaulicht. Das alles endet, als ihn ein entsetzlicher Unfall vom Glauben abfallen lässt und er eine letzte Predigt hält, die in einer rasenden Gottverfluchung gipfelt. Von der Gemeinde verstoßen, tingelt er fortan über die Jahrmärkte, wo er elektrische Experimente vorführt, die zunehmend spektakulärer werden. Und immer schrecklichere Folgen nach sich ziehen. Über die Jahre trifft Jamie, inzwischen drogenabhängiger Musiker, wiederholt auf Jacobs, der ihn jedes Mal tiefer in seine dämonische Welt zieht. Als Jamie sich dessen klar wird, gibt es kein Zurück mehr. Das finale Experiment steht bevor.

***

Charles Jacobs ist der neue methodistische Reverend; er lädt Jamie zu sich ins Pfarrhaus ein, um ihm ein Wunder zu zeigen, ein ziemlich lausiges Wunder, wie auch ein Sechsjähriger leicht erkennen kann: Eine kleine Jesusfigur wandelt mit elektrischem Antrieb über blau gefärbtes Wasser, in dem sich eine Führungsschiene verbirgt. Solchen elektrischen Basteleien sind das Hobby des jungen Geistlichen, gleich nach seiner Liebe zu seiner hübschen Frau Patsy und seinem kleinen Sohn Morrie. Und tatsächlich bewirkt er mit seinem Elektro-Krimskrams eines Tages eine Art „Wunder“, nämlich eine erstaunliche Spontanheilung bei Jamies Bruder, dem er die verlorene Stimme zurückgibt.

Bei einem fürchterlichen Verkehrsunfall verliert der Reverend Frau und Sohn und hält am nächsten Sonntag das, was als „furchtbare Predigt“ in die Geschichte der Gemeinde eingehen wird. In seiner grenzenlosen Verbitterung zählt er mit beißendem Sarkasmus einen Fall nach dem andern auf, in dem Gott seine Schutzbefohlenen nicht nur getötet hat, sondern geradezu verhöhnt zu haben scheint – wie eine Pfarrgemeinde, die von einem Tornado ausgelöscht wird, gerade als sie sich zu einer Feier zu Ehren Gottes versammelt. Natürlich muss er anschließend die Gemeinde verlassen und so verliert sich seine Spur vorerst.

Danach bleibt der Leser mit Jamie allein und begleitet ihn ein paar Jahre durch Highschool, erste Liebe, eine Laufbahn als zweitklassiger Rock-Gitarrist und den totalen Absturz in den Drogensumpf. Ein Zufall führt ihn, als er kurz vor dem kompletten Aus steht, in einen staubigen, kleinen Elektroladen, dessen Inhaber natürlich niemand anderes ist als Jacobs, der gefallene Reverend; und wieder vollbringt er mittels Elektrizitär ein kleines Wunder, das Jamie auf die Beine bringt und kuriert.

Neben seinen Auftritten als Heiler im besten Sinne der Fernseh-Evangelisten ist der gestürzte Reverend, falsche Heiland und echte Besessene einer zweiten, geheimen Elektrizität auf der Spur, was einen reichlich unzulänglichen Begriff für eine Kraft abgibt, die die Tür zwischen dieser und der nächsten Welt zu öffnen vermag. Dort warten Patsy und Morrie, deren sinnloser Tod den Reverend bis dato nicht losgelassen hat und ihn auf der Suche nach einer Möglichkeit des Wiedersehens hat wahnsinnig werden lassen.

Dass es keine so gute Idee sein könnte, sie unbedingt wiedersehen zu wollen, weiß jeder King-Fan seit dem „Friedhof der Kuscheltiere“.

Die Tür ist unscheinbar, von vertrocknetem Efeu umrankt, und dahinter haust (so berichten die, die einen Blick dahinter werfen konnten) unter einem papierenen Himmel „Die Mutter“ – ein Wort, das in dieser Vereinzelung am Rand des Verstummens Grauen weckt. Der Reverend, der nur noch Wochen zu leben hat, wendet seine glühende Restenergie für eine grausame Erpressung auf, durch die er Jamie ein letztes und entscheidendes Mal zwingt, ihm zu Willen zu sein – und dann geschieht das Unbeschreibliche.

***

Mal wieder ein echter King, wie ich finde. Mit Figuren, die man hasst oder liebt, nachvollziehbaren Handlungen und der typischen King’schen Kunst, das Grauen langsam, ganz langsam, Seite für Seite Einzug halten zu lassen. Kann ich mit seinen Geschichten um den Dunklen Turm tatsächlich gar nichts anfangen, so sind es genau diese Romane wie „Revival“, die für mich – und viele andere – King zum Meister des Horrors machen!

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