Die Stunde der Miesmacher – wie gegen Wohltäter Stimmung gemacht wird

Die Meinung eines STERN-Autors, die mir dermaßen aus dem Herzen spricht, dass ich sie hier ungekürzt wiedergebe. Vielen Dank an den Autor Carsten Heidböhmer, der mir seine freundliche Genehmigung dafür gab!

Die Ruinen von Notre-Dame de Paris rauchten noch, da öffneten die drei reichsten Familien Frankreichs ihre Portemonnaies und spendeten eine halbe Milliarde Euro. Dafür dürfen sie sich nun in den sozialen Medien beschimpfen lassen. Absurd.

Es ist eine Tragödie: Mit dem Brand von Notre-Dame wurde am Montag eines der großen abendländischen Kulturdenkmäler zerstört. Der Wiederaufbau dauert Jahre und kostet viel Geld. Zum Glück gib es in Frankreich reiche Menschen mit Verantwortungsbewusstsein und Bürgersinn, die das Projekt großzügig unterstützen. Die drei reichsten Familien des Landes spendeten mal schnell eine halbe Milliarde Euro. Toll. Eine rundum positive Sache. Oder etwa nicht?

Das sehen leider nicht alle so. Denn wie das in Deutschland so üblich ist: Sobald jemand etwas Gutes oder Besonderes erbringt, kommen sie aus ihren Löchern gekrochen. Die Mittelmäßigen, die Neider, die Besserwisser und Schlechtmacher. In öffentlichen Foren und sozialen Netzwerken tun sie das, was sie am besten können: rumnörgeln und die Taten anderer zerreden. Ihr Kritikpunkt: Für die zerstörte Kirche geben sie Geld – aber gegen den Hunger in der Welt oder die sterbenden Flüchtlinge im Mittelmeer tun sie nichts.

Warum Notre-Dame unterstützen – wenn es in Rumänien Straßenhunde gibt?

Ein irrsinniges Argument – das sich letztlich auf jeden anwenden lässt, der sich für wohltätige Zwecke einsetzt. Spendet man für Straßenhunde in Rumänien, sagen die Nörgler: Aber denk doch an die armen Kinder in Deutschland. Unterstützt man die, heißt es: In Osteuropa sind die Kinder noch viel ärmer dran. Aber was ist dann mit den Menschen in Afrika – geht es denen nicht noch viel schlechter?

Wer den Bau einer Schule in Malawi unterstützt, muss sich demnach den Vorwurf gefallen lassen, dass ein Brunnen doch viel wichtiger sei – schließlich können die Kinder ja nur lernen, wenn sie genug zu trinken haben. Und warum überhaupt Malawi – die Zentralafrikanische Republik ist schließlich noch ärmer.

Helfer werden entmutigt

Ein Wettlauf, der die Möglichkeiten der guten Tat immer weiter einschränkt – anstatt sie zu fördern und Helfer zu ermutigen. So lässt sich letztlich jedes Engagement kaputt reden. Der Wohltäter ist am Ende der Dumme – und derjenige, der gar nichts tut, steht als moralische Instanz da. So ist es schon jetzt auf Facebook, Twitter und Instagram zu beobachten.

Doch wenn einem wirklich etwas an den Hungernden in der Welt liegt oder dem Leid der Flüchtlinge, dann gibt es einen ganz einfachen Weg, diese zu unterstützen: Ein jeder könnte spenden, das ist kinderleicht. Aber andere zu kritisieren macht halt viel mehr Spaß, anstatt selbst etwas zu leisten. Und das Beste: Es kostet nichts.

Wie absurd: Hätten die drei reichsten Familien Frankreichs gar nichts gemacht und sich eine neue Yacht gekauft, anstatt Geld für Notre-Dame zu spenden – niemand hätte sich beschwert. Zum Glück haben sich die Familien Pinault, Arnault und Bettencourt davon nicht beirren lassen.

Zuerst erschienen am 17. April 2019 auf Stern.de

3 Kommentare zu „Die Stunde der Miesmacher – wie gegen Wohltäter Stimmung gemacht wird

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  1. Da bin ich einmal d`accord mit Ihnen, beziehungsweise mit diesen Artikel und sehe das auch so!
    Haben Sie sie schon etwas gespendet, weil ja jeder auch seine fünf oder zehn Euro geben kann und da braucht man gar nicht lange fragen, warum es Leute gibt, die auf einmal eine halbe Million hergeben können, während meine Klienten manchmal gerade nur einen Euro für einen Broccoli in der Tasche haben!
    Bezüglich Ostern, das ja bald kommt, habe ich gedacht, daß es da statt Ihres üblichen Wochenberichtes, vielleicht wieder mal Zeit für die „Gute Nachricht!“ wäre und würde ihn fast vorschlagen doch mit den Flüchtlingskindern an Ihrer Ecke Osteier suchen zu gehen, statt vor sich hin zu schimpfen, daß sich wieder einmal einer irgendwo, wie es ja auch dieser Artikel schön benennt, wieder einmal nicht korrekt vorhalten hat!
    Und bevor Sie mich jetzt beschimpfen, schreibe ich dazu, daß ich das am Ostersonntag in Harland bei St. Pölten nicht tun werde, sondern eine liebe schreibende Freundin zum Grillen eingeladen habe, die auch noch in der katholischen Kirche tätig ist, ihre Flüchtlingsfamilien hat, mit denen sie lernt und für die sie Schulen sucht und mit den jeweiligen Direktorinnen verhandelt!
    Mit der werde ich mich sicher auch über dieses Thema unterhalten und wünsche in diesem Sinne schon mal vorausschauend schöne Ostern!

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    1. Sie schaffen es zwischendurch immer wieder, mir ein schallendes Gelächter zu entlocken, liebe Frau Jancak. Hatten Sie gestern einen Eierlikör zuviel? 😉 Ich wünsche Ihnen auch ein schönes Osterfest im Kreise Ihrer vorbildlichen Freunde und an dieser Stelle nochmal meine Bitte: Sie überlassen mir, worüber ich schreibe und ich – wie bisher – Ihnen. Okay?

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  2. Kein Eierlikör lieber Uli, obwohl ich den ganz gerne trinke, denn ich habe Sie ja, haben Sie es nicht gemerkt, gelobt, daß Sie den Artikel ziterten, der auch meiner Meinung entspricht, denn man ja nicht gleich losschimpfen, wenn einer sein Geld den Flüchtlingen spendet, es ein anderer für den Aufbau der Kirche gibt und ein Dritter woanders hilft!
    Jeder nach seinem Geschmack, dann wird es vielleicht ein bißchen besser und mit weniger Schimpfen geht es, glaube ich, besser, da muß man gar nicht darüber Lachen, schönes Osterwochenende!

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