Buchmesse Leipzig 2019

Eigentlich wollte ich mir die Menschenmassen ja nicht mehr antun. War ich beim letzten Mal an einem Samstag dort, wäre eine Nahkampfausbildung hilfreich gewesen. Oder ein martialisches CosPlayer-Kostüm mit lebensechten Waffen. Man sah nix, hörte nix, bekam nix mit. Diesmal lautete das Experiment: Versuch’s mal am Freitag.

Und siehe da, es war tatsächlich auszuhalten. Okay, hätte ich beim Durchqueren der Glashalle eine Tiefkühlpizza dabei gehabt, wäre sie nach spätestens zwei Runden fertig gewesen. Naja, fast … In den Hallen ging es dann und die Massen haben sich ganz gut verteilt. Manche Veranstalter sollten vielleicht ihr Akustik-Konzept überdenken, denn vom Rand der Veranstaltungsfläche war von Diskussionen oder Poetry-Slams so gut wie nichts mitzukriegen. Andererseits, man kann ja früh genug hingehen und kriegt dann noch einen Sitzplatz.

Mein Interesse galt vor allem den Selfpublisher-Anbietern, wobei es einen noch recht jungen gibt, nämlich TwentySix, eine Kooperation von Randomhouse und BoD. Dort besteht die Möglichkeit, dass das dort veröffentlichte Buch von einem der Verlage der Randomhousegruppe sozusagen entdeckt wird. Klingt doch ganz gut, wie ich finde.

Danke an dieser Stelle an meine Blogger-Kollegin Rhiannon, die mich darauf aufmerksam gemacht hat!

Neben BoD wollte ich mir auch mal die gedruckten Bücher von Amazon-Publishing angucken. Also, was Aufmachung, Cover und solche Sachen angeht. Ich muss sagen, sie stehen den Verlagsbüchern in nichts nach. Ebenso tredition oder bookrix. Eine weitere Institution, der beizutreten vielleicht überlegenswert wäre, ist der Selfpublisher-Verband. Bislang hab ich nur davon gehört, aber so verkehrt wär das vielleicht gar nicht. 8€ im Monat ist jetzt auch nicht grade der Rede wert. Schaun mer mal …

Was es natürlich auch gab – und wovor immer wieder gewarnt wird – sind sogenannte Druckkostenzuschussverlage (alter Falter, was ein Wortmonster) wie der R. G. Fischer „Verlag“. Kosten bis in den fünfstelligen Bereich werden da kolportiert und Nutzen gibt es absolut keinen.

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Einen interessanten Artikel hierzu findet sich beim Spiegel aus dem Jahr 2000

Offenbar scheint es aber immer noch genug Schreiberlinge zu geben, die glauben, in R. G. Fischer einen Verlag gefunden zu haben. Ok, mehr als warnen kann man ja nicht, vor allem und gerade in Zeiten von Social Media.

Ebenfalls vertreten war die Software-Schmiede von Papyrus-Autor, dem Schreibprogramm mit Korrektor und Stilanalyse, das ich mir jetzt endlich mal zugelegt habe und schon gespannt bin, wie das funktioniert. Im Gegensatz zu so manchem Zeitgenossen der schreibenden Zunft, der glaubt, perfekt zu sein, lass ich mir nämlich gerne Tipps geben, wie etwas besser klingen würde und bin auch bereit für Neues. Wahrscheinlich wird aber noch ein bisschen Zeit ins Land gehen, bis ich dazu komme, den Papyrus richtig zu nutzen und darüber zu berichten. Die nächsten Wochen steht erstmal viel Arbeit zuhause an, der Frühling steht quengelnd vor der Tür und will rein wie weiland Gerhard Schröder ins Kanzleramt und vorher heißt es klar Schiff machen. Aber dann … 😉

Natürlich hab ich auch am Stand von Compact vorbei geschaut. Vorschriftsmäßig – und ich weiß, wo die Freude darüber besonders groß ist – hatte man dem Team um Jürgen Elsässer eine „stille Ecke“ im hinteren Teil der Halle gegenüber vom Antiquariat und neben dem Notausgang gegeben. Die linke TAZ hingegen prominent direkt am Halleneingang, so wie sich das gehört für eine bunte Messeleitung.

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Immerhin war der Stand nicht zu übersehen und auch gut besucht. Wie Compact auf Facebook berichtet, hat sich wohl am Samstag ein linker Flashmob vor dem Stand gebildet, der die Leute eigentlich vom Besuch abhalten sollte. Eigentlich …

Eine unfreiwillige Werbeaktion der Antifa hat sicherlich zu dem Erfolg beigetragen: Am Nachmittag bildete sich zunächst einen Kreis von etwa zehn Jugendlichen vor unserem Stand, die a capella Lieder vortrugen – und das stimmlich gar nicht schlecht, Kompliment! Leider stellte sich nach der ersten Strophe raus, dass da die Linke aufmarschiert war und Antifa-Evergreen swie „Avanti Popolo“ zum Besten geben wollte, um den COMPACT-Stand gegen Zulauf von Besuchern abzuschirmen. Doch wie aus dem Nichts tauchten patriotische Jugendliche auf, die ihrereseits einen Ring um den Antifa-Ring bildeten und die Singstunde hijackten: Hinter jedem Gutmensch stand plötzlich ein Freiheitlicher, einige hielten Schilder hoch wie „Heimatliebe ist kein Verbrechen“, auch die COMPACT-Ausgabe „Heimat tut gut“ wurde deutlich sichtbar in die Kameras gehalten. Aus vielen jungen Kehlen erscholl „Die Gedanken sind frei“ – der Evergreen gegen Zensur und Diktatur! Die „Zeit“ berichtete gestern Nacht auch noch über den Vorfall, sprach vom „Sängerkrieg“ am COMPACT-Stand, den die Linken gewonnen hätten. Tatsächlich hatten „unsere“ Jugendlichen, nachdem sie stimmlich und optisch dominiert hatten, den Linken den letzten Song überlassen, das schöne Partisanenlied „Bella Ciao“. Für Außenstehende war das Ganze zu keinem Zeitpunkt als „Krieg“ erkennbar, sondern es entstand der Eindruck: COMPACT hat zwei Chöre engagiert, die beide traditionelles Liedgut zum Besten gaben (was ja auch auf Bella Ciao, Avanti Popolo etc. zutrifft) – und allein das zog die Leute in Halle 3 scharenweise zu uns. Was die Antifa als Abriegelaktion gegen COMPACT geplant hatte, wurde ein starker Magnet für uns! Danke an die stimmgewaltigen jungen Patrioten, die so schlagfertig Paroli bieten konnten.

Ich gebe zu, das hätte ich gern gesehen 🙂

Ein schönes Highlight sind auch die vielen jungen CosPlayer mit ihren grandiosen Kostümen. Ich hab zwar absolut keine Ahnung von Mangas und den anderen angesagten Comics, aber was die Jugendlichen da präsentieren, holla die Waldfee!

Bilder: privat/google

Auf der Hin- und Rückfahrt (Leute, die Bahn war pünktlich!!!) Ellen Kositzas „Die Einzelfalle – Warum der Feminismus ständig die Straßenseite wechselt“ gelesen. Eine prima Ergänzung zu Udo Ulfkottes „Alles Einzelfälle“.

Beide Bücher könnte ich jemandem empfehlen, dessen Wahrnehmung sich nur auf den Nachhauseweg beschränkt, aber das würde wahrscheinlich nur im Sande verlaufen. Von daher, ein paar interessante Stunden in Leipzig, bisschen was gesehen und mitgenommen und mehr muss auch eigentlich nicht unbedingt sein.

Ein Kommentar zu „Buchmesse Leipzig 2019

Gib deinen ab

  1. Bei mir verläuft nichs im Sande lieber Uli, ich habe mir sogar den Messerundgang eines Patrioten angeschaut, der auch ein bißchen aufmischen wollte.
    Miteinander geht es besser und man muß miteinander reden lernen. Irgendwie habe ich mir bei dem Video gedacht, daß es schon ein bißchen besser als im letzten Jahr geht, wo die betroffenen Stände total überrascht waren und Zuschußverlage sind heutzutage, wo jeder seine Bücher selber machen kann, nicht mehr nötig!
    Ich wundere mich selber daß sich das noch nicht herumgesprochen hat, liegt aber wahrscheinlich an der Natur der Sache und nachher kommt es auf die Aufmerksamkeit und das sich einlaßen auf das Selbstgemachte an,, liebe Grüße aus Wien!

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