Welche Buchgenres lohnen sich am meisten?

Die Buchmesse steht mal wieder vor der Tür und was liegt da näher, als sich ein paar Gedanken zur schreibenden Zunft zu machen.

Self-Publisher als Trendsetter: Romance ist derzeit ein heiß begehrtes Buchgenre, was sich insbesondere bezüglich E-Book-Verkäufen und Verleih zeigt. Dass außerordentlich viele weibliche Autoren Liebesromane schreiben, ist wohl kein Zufall. Ist es doch kein Geheimnis, dass hauptsächlich Frauen einen großen Hang zur Romantik haben. Erfolgsautorinnen wie Poppy J. Anderson, Emily Bold und Pea Jung haben ihre Leidenschaft für romantische Geschichten zur Berufung gemacht und mit ihren Liebesromanen riesige Fangemeinden aufgebaut. Und noch eins vereint jene Autorinnen: Sie sind sämtlichst überzeugte Self-Publisher und der Erfolg gibt ihnen Recht.

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Spannung und Rätsel haben es den Deutschen angetan, denn die beliebtesten Literatur-Genres sind hauptsächlich Krimis und Thriller – sie werden von beispielsweise der Hälfte der Deutschen oft gelesen. Hierdurch gehen die Plätze eins und zwei im Beliebtheitsranking an die Rubrik der Unterhaltungsliteratur.

Auf Platz drei der Liste folgt mit Ratgebern die einleitende Sachbuch-Kategorie; sie begeistern annähernd 30 % der Leser. Auf Rang vier folgen Sachbücher zum Themenbereich Forschung & Technologie, die etwa jeden Vierten interessieren. Rang fünf geht mit den Biografien an eine Sachbuchkategorie, die dabei von 25 % gelesen wird.

Erwähnenswerte Reichweiten erzielen darüber hinaus die Belletristik-Genres Historischer Roman, Fantasy und Liebesroman, die von ca. einem Fünftel bis zu einem Viertel der lesenden Bevölkerung wertgeschätzt werden.

Aber kann man nicht in bestimmten Genres mehr verkaufen?

Wer gerade ins Selfpublishing einsteigt, stellt sich – oftmals unter dem Eindruck all der Erfolgsgeschichten über Millionärs-Autorinnen und Selfpublishing-Stars – gern die Frage: Und welches Genre soll ich bedienen, welches lohnt sich am ehesten? Doch seid gewarnt, wie Professor Dumbledore sagen würde: Was Medien über erfolgreiche Selfpublisherinnen (die Frauen sind hier wirklich in der Überzahl) schreiben, ist zwar meistens korrekt, was Einnahmen und Erfolge angeht. Was aber häufig weniger beachtet wird, sind zum Einen die harte Arbeit, die es erfordert, sowie zum Anderen die Überwindung, die es genauso mal kosten kann, an der Geschichte weiterzuschreiben. Und dann sind da noch die Misserfolge und Fehler, die jeder von uns mal macht.

Trotz alledem sind ebendiese Geschichten Beschreibungen – und keine Kochanleitungen. Dass Autorin X mit Liebesromanen Erfolg hat, muss schlechthin nicht heißen, dass es Dir ähnlich gehen muss. Dass sich die Fantasy-Epen von Y verkaufen wie geschnitten Brot, macht nicht von alleine Dein Epos genauso zum Hit. Wenn es so leicht wäre, Erfolg zu kopieren, gäbe es bloß Bestseller – und dadurch genau genommen gar keine mehr. Auf jeden Fall ist es eine gute Idee, sich anzusehen, was erfolgreiche Schreiber anders oder sogar besser machen. Manches lässt sich möglicherweise darüber hinaus in die eigene Arbeitsweise übernehmen, anderes nicht. Wenn Du lediglich nebenbei schreibst, wirst Du Dich mit einer Veröffentlichungsfrequenz von drei Büchern/Jahr überfordern. Die gute Nachricht ist: Erfolg kann sich auf vielen Wegen zeigen und selten ist vorweg deutlich, ob, wann und wie er sich bei Dir einstellt.

Geballtes Fachwissen

Das bringt uns dem vermutlich entscheidensten Tipp betreffend Genrewahl näher. Du würdest mutmaßlich kein Sachbuch über moderne Landwirtschaft schreiben – und Du glaubst, der Grund ist, dass Du Dich auf dem Gebiet nicht auskennst. Das ist allerdings lediglich ein sekundärer Grund. Du kennen sich nicht aus, weil Du sich nicht hierfür interessierst. Liest Du vielleicht Landwirtschaft-Lehrbücher, studierst entsprechende Journale zum Themenbereich und verbringst Dein Wochenende auf der Grünen Woche? Eben! Das optimale Genre für Dich ist eines, für das Du Dich selbst begeisterst. Nur so kannst Du authentisch sein. Verständlicherweise kannst Du alles recherchieren, was es über ein Genre zu beherrschen gibt. Aber die Fans werden merken, ob Du wahrhaftig hinter dem Thema stehst. Und die Fans sind es letztlich, die darüber entscheiden, ob Du erfolgreich bist.

Es kann natürlich von Vorteil sein, wenn Du Dich für mehr als ein Genre interessierst. Welches sollst Du wählen? Wenn Du vom Schreiben leben möchtest, musst Du im Monat ein bestimmtes Einkommen erzielen. Wie hoch das sein sollte, musst Du selbst festlegen. Nun wäre es nicht besonders clever, mit dem idealen Resultat zu rechnen. Selbst wenn Du alles richtig machst, ist das Risiko groß, dass Dein Werk nicht in den Top 10 erscheint. Was nicht weiter schlimm wäre. Ein Buch, das unter den Top 1000 rangiert, verdient dort pro Tag je nach Verkaufspreis zum Beispiel 20-40 €. (Ungefähre Werte!) Mit fünf Büchern sind das somit schon bei Amazon 150 € am Tag oder 4500 im Monat – für einen Schriftsteller ein ganz ordentliches Einkommen, das keinerlei Bestseller voraussetzt.

Was hat das mit der Genrewahl zu tun? Es muss hinreichend Leser dieses Genres geben, damit Dein Buch auch dann, wenn es ausschließlich von den Genre-Lesern gekauft wird, in die Top 1000 kommt. Ob das der Fall ist, kannst Du problemlos checken, indem Du Dir die in der Kategorie bereits erschienenen Titel ansiehst. Haben immerhin die ersten drei Platzierungen unter den Top 1000? Das ist dann schon mal ein gutes Zeichen für die Tragfähigkeit des jeweiligen Genres.

Man muss aber immer wieder betonen, dass man als SP für alles selbst zuständig ist. Nicht nur für’s Schreiben, auch für die Werbung, denn die tollsten Zahlenspiele bringen nichts, wenn das Buch nicht beworben wird, was wiederum Zeit und Geld kostet. Ohne die entsprechende PR dümpelt auch das tollste Buch, das alle beschriebenen Voraussetzungen erfüllt, unentdeckt auf den hinteren Rängen herum.

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Noch ein interessanter Aspekt: Titel mit regionalem Bezug werden am ehesten im Buchhandel aufgenommen. Eine Garantie gibt es jedoch auch hierfür nicht. Hier zeigen sich gleichwohl die Möglichkeiten für eine lokale Zusammenarbeit. So veranstaltet bereits nahezu jeder dritte Buchhändler (29 Prozent) Lesungen mit Self-Publishern. 2016 war es mit 24% erst jeder vierte Sortimenter. 8% planen überdies noch eine Lesung durchzuführen. Doch wie so oft ist auch hier die Eigeninitiative gefragt, denn in den allerseltensten Fällen kommen Buchhandlungen auf einen SP-Autor zu. Somit heißt es Klinkenputzen und das ist nicht jedermanns Sache. Meine auch nicht, nebenbei bemerkt.

Warum also kein regionaler Romance-Thriller mit Krimi-Elementen, in dem man obendrein noch interessante Informationen über die Gegend unterbringt, in der die Geschichte spielt?

Nur so’n paar Gedanken 🙂

7 Kommentare zu „Welche Buchgenres lohnen sich am meisten?

Gib deinen ab

  1. Sehr interessanter Artikel, ich denke auch, daß man das Schreiben soll, was einem interessiert, wo man sich auskennt und was man kann, habe übriges gerade ein Buch bekommen, an dem wir uns wahrscheinlich wieder reiben können, nämlich
    „Eure Heimat ist unser Albtraum“- „Ein Manifest gegen Heimat von vierzehn AutorInnen mit Migrationshintergrund“, wird aber wieder etwas dauern, bis ich zum Lesen komme.
    Bis dahin genießen Sie die Buchmesse, bis schon gespannt, was Sie berichten werden!

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  2. Wirklich sehr interessant zusammengefasst, worüber ich in jüngster Zeit auch hin und wieder nachgedacht habe. Danke für die Zahlen, auch wenn sie oft dafür Sorgen, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, so sind sie doch manchmal recht hilfreich 🙂

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    1. Ich freu mich über jeden, der was dazu sagt! 🙂 Und Du hast recht, manchmal hat man Ideen, die man nicht in Worte fassen kann, manchmal gehen einem Worte im Kopf rum, die keinen Sinn ergeben. Konzentration lässt sich aber trainieren. Wenn man wirklich für eine Story „brennt“, blendet man alles andere meistens automatisch aus. Es sei denn, man steht aus anderen Gründen extrem unter Stress, dann fällt es natürlich umso schwerer, sich zu konzentrieren.

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