Texte, andere Texte und die feinen Unterschiede

Eigentlich ist es für die Eingeweihten aka Klardenkenden unter uns keine Neuigkeit und somit auch nichts, weswegen man die Tastatur malträtieren müsste. Die kann ja schließlich auch nichts dafür. Und dennoch bin ich immer wieder aufs Neue fasziniert, wie Gutmenschen Dinge einordnen, wenn sie ihnen gerade in den Kram passen. Der Focus berichtet heute über eines der derzeitigen Lieblingsziele der Gutmenschenkeule, den österreichischen Sänger und Musiker Andreas Gabalier.

Überschrieben mit „Neuer Wirbel um Volksmusiker“ handelt der Artikel von einer Anzeige Gabaliers gegen das sogenannte „Rap-Duo“ Kid Pex feat. Kroko Jack (was sich allein schon anhört wie ein Anfall von schwerem Würfelhusten, aber egal). Diese Künstler texten folgendermaßen in österreichischem Dialekt:

„I tat den Andi Gabalier net an die Wand stellen lassen, aber samma si ehrlich, eigentlich gehört er dasch…“ – auf Hochdeutsch: „eigentlich gehört er ersch…“ Dazu formt der Rapper im Video mit den Fingern eine Pistole und hält sie einer Papp-Abbildung von Gabaliers Kopf an die Schläfe.

Wie gesagt, sowas nennt sich Künstler.

Andreas Gabalier hat nun Strafanzeige gegen diese Knalltüten erstattet, weil er sich zu Recht bedroht fühlt.

Nun kann man – und ich bin ganz vorne mit dabei(!) – die künstlerische Freiheit anführen, in der, sagen wir mal sehr viel erlaubt bzw. zulässig ist. Ebenso in der Satire, also in der bewusst übertriebenen Darstellung. Interessant ist auch die Stellungnahme dieser beiden Würfelhusten-Rapper

Es handle sich dabei um „keine Drohung, sondern eine durchaus im Hip Hop gängige, überspitzte Formulierung“.

Sehr schön. Akzeptiert!

Gleich darauf geht’s aber wieder in die Vollen:

Erschossen gehöre nach seinen Worten lediglich das „das Weltbild“, das Gabalier vertrete, “welches Hass und Hetze legitimiert und in welchem weder Platz für Töchter noch für Ausländer und Andersdenkende ist“, so der Rapper weiter.

Quelle

Wenn also jemand von Heimatverbundenheit spricht, das traditionelle Familienbild bevorzugt, von „feschen Madeln“ singt, ist er nationalistisch, homophob und sexistisch. Wenn irgendwelche hergelaufenen Hirnakrobaten ihn als buchstäbliche Zielscheibe berappen, ist das eine „überspitzte Formulierung“.

Ja, so nett geht es in der Welt der Aufrechten zu. Passt es einem in den Kram, ist es eine überspitzte Formulierung, geht es einem gegen den Strich, ist es Hetze.

Denselben Massstab bei allen ansetzen? Mitnichten!

Aber wir sind es, die „spalten“. Nee, is klar …

3 Kommentare zu „Texte, andere Texte und die feinen Unterschiede

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  1. Sehr gut, Sie haben sogar die Erklärung, die ich mir vor einiger Zeit im Fellner-TV angehört habe, mitangeführt.
    Mir wärs auch ein wenig zuviel, wie mir Ihre Formulierungen, siehe oben auch sehr oft nicht gefallen. In der Rap-Szene scheint das aber üblich, wahrscheinlich, wie im Volksliedgut die „feschn Dirndln“ üblich sind.
    Was haben Sie eigentlich gegen Gutmenschen?
    Wollen Sie kein solcher sein. Man sollte sich zumindestestens bemühen den christlichen Werten von Nächstenliebe, etcetera nahe zu kommen und eine sprachliche Korrektheit gehört wahrscheinlich auch dazu!

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  2. Wenn die „feschen Dirndln“ üblich sind, weshalb wird Gabalier dann als Sexist bezeichnet? Weshalb werden Verbalausfälle im Rap als Kunstform hingenommen, bei ihm aber Heimatverbundenheit als nationalistisch gebrandmarkt?

    Nein, Frau Jancak, ich möchte kein Gutmensch sein. Gutmenschen sind genau das Gegenteil von „guten Menschen“. Sie glauben zwar, welche zu sein, tatsächlich bezieht sich ihr gutes Tun aber darauf, der eigenen Identität und dem eigenen Land zu schaden, indem sie das Fremde, Exotische glorifizieren und dessen Schutz über alles andere stellen. Hinzu kommt ein schon pathologisch zu nennendes Bestreben, alle negativen Auswirkungen grundsätzlich zu ignorieren oder gar zu negieren, indem sie wie aktuell durch die völlig unsinnige Verteufelung des Verbrennungsmotors den Umweltschutzgedanken ad absurdum führen und dabei langfristig ein Land in die Deindustrialisierung lenken. (Nur um ein Beispiel abseits der Zuwanderungsdebatte zu nennen)

    Kritik daran ist natürlich nicht erlaubt, sondern in der Regel mangels stichhaltiger Gegenargumente sofort als „rechts“zu bezeichnen, wo wir bei der sprachlichen Korrektheit wären, die selbstredend auch nur für Kritiker gilt. Selbst dürfen Gutmenschen die schlimmsten Beschimpfungen für ihre Gegner anwenden, denn sie tun es ja schließlich für das Gute.

    Mit der von Ihnen erwähnten Nächstenliebe hat das Gutmenschentum überhaupt nichts zu tun.

    Nächstenliebe ist, wenn ich meiner Nachbarin im Garten zur Hand gehe. Wenn ich meinen Kollegen drei Monate lang zur Arbeit mitnehme, weil sein Auto kaputt ist und er sich noch kein neues leisten kann. Wenn ein Bekannter nach einer helfenden Hand beim Transport fragt. Wenn ich einem Freund dabei helfe, Briefe an Behörden aufzusetzen, weil er sich mit der Formulierung schwer tut.

    Nein, Frau Jancak, ich möchte kein Gutmensch sein.

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  3. Ich schon, Herr Lucas und immer noch, trotz Ihrer Erklärungen, von mir aus auch ein guter Mensch, wenn Ihnen das lieber ist und wenn Sie von den von Ihnen zitierten Floskeln, wie „pathologisches Bestreben“, das „Exotische glorifizieren“, etcetera hinunter kommen und den Menschen neben sich ansehen und sich fragen, was will er oder sie, warum fühlt er sich von den Fremden und der angeblichen Islamisierung nicht bedroht?, etcetera, werden Sie wahrscheinlich weiterkommen und höchstwahrscheinlich auch weniger Angst vor den angeblichen oder tatsächlichen Zuständen hier haben und es wird Ihnen sicher besser gehen, wenn Sie alles lockerer und realistischer zu betrachten versuchen!
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende mit möglichst wenig Gewalt!

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