Robert Menasse auf den Spuren von Claas Relotius?

Ende des vergangenen Jahres erschütterte ein Skandal die deutsche Presselandschaft und besonders den Glaspalast des Spiegel, als sich viele der Geschichten des Starautors Claas Relotius als frei erfunden herausstellten. Wasser auf die Mühlen derjenigen, die der Mainstreampresse bis dahin ohnehin skeptisch – um es mal freundlich – auszudrücken – gegenüberstanden. Ich selbst schaue zwar ab und an noch Nachrichten im TV oder lese Magazine wie Focus und Spiegel sowie Stern online, würde aber niemals Geld für eine Printausgabe hergeben. Stattdessen bevorzuge ich die Freien Medien wie Jouwatch, PI-News, Achse des Guten oder Philosophia Perennis, die ich auch finanziell unterstütze.

Und zwar jetzt erst recht!

Aktuell ist der Schriftsteller Robert Menasse im Gespräch, der die renommierte Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz verliehen bekommen soll. Menasse war zuletzt in die Kritik geraten, weil er in seinem 2017 erschienenen Roman „Die Hauptstadt“ angebliche Zitate des ersten Präsidenten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), Walter Hallstein, verwendet hat, die sich als falsch herausstellten. Ungeachtet dessen hält die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer an der Verleihung fest. Ob sie das auch bei einem anderen Schriftsteller getan hätte? Man weiß es nicht. Liest man bei der Begründung ein bisschen zwischen den Zeilen, erfährt man, dass sein engagiertes Streiten für die europäische Idee die politische Debatte um die Zukunft der Europäischen Union sehr bereichert habe.

Klar! Wer die EU fördert und in den Himmel lobt, dem sei natürlich jeder Faux-Pas verziehen. Hätte Herr Menasse sich hingegen für eine sichere Grenze stark gemacht, nunja … lassen wir das mal so stehen.

Claas Relotius hat seinerseits herzergreifende Geschichten erfunden und sie mit dem Vorschlaghammer in die Köpfe der Leser gezimmert.

Was den Umfang ihrer Fälschungen angeht, unterscheiden sich die beiden Edelfedern natürlich, keine Frage. Herr Menasse ist wohl auch schon zu Kreuze gekrochen:

„Es war unüberlegt, dass ich im Vertrauen auf Hörensagen die Antrittsrede von Hallstein in Auschwitz verortet habe“, so der Autor. „Diese hat dort nicht stattgefunden. Das hätte ich überprüfen müssen. Ich habe diese Fehler nicht absichtsvoll und nicht mit dem Ziel der Täuschung begangen.“

Quelle

Ja, das hätte er in der Tat!

Solange ich für die Schublade schreibe, kann ich verzapfen, was ich will. Selbst Notizen dürfen Fehler enthalten. Sobald ich aber hingehe und meine Gedanken veröffentliche, egal wo, MUSS das, was ich schreibe, stimmen! Ich habe bis zu diesem Moment alle Zeit der Welt zur Kontrolle, zur Recherche, zur Korrektur. Dinge zu behaupten und zu veröffentlichen, die nachweislich falsch sind, ist schlicht und ergreifend unter dem Begriff „Schlamperei“ zu verorten und keineswegs preiswürdig.

Fragt sich zudem, was ist ein Preis wie die Carl-Zuckmayer-Medaille eigentlich noch wert? Wo zieht man bei einer Nominierung bzw. Verleihung die Grenzen, was Fakes und falsche Zitate angeht? Kann man überhaupt noch von irgendwelchen Auszeichnungen auf inhaltliche Qualität schließen?

Ehrlich gesagt, mittlerweile glaube ich sogar, dass die oftmals auf Klappentexten erwähnten Lobeshymnen „Stephen King: An Spannung kaum zu überbieten“ oder „Diana Gabaldon: Mehr Romantik geht nicht!“ frei erfunden sind. (Die beiden Zitate hab ich mir übrigens gerade als Beispiele ausgedacht) Es tut mir echt leid, dass ich so denken muss, aber Fake-News scheinen nun auch in Romane Einzug zu halten und das nicht mal von Hobbyautoren im Selfpublisher-Sektor, sondern von gestandenen, etablierten Schriftstellern, deren Namen man kennt. Ja, ich schreibe im Plural, denn es wäre erstaunlich, wenn Relotius und Menasse Einzelfälle blieben.

Und ich Trottel bin sogar hingegangen und habe mir von Erich von Däniken die Erlaubnis geholt, seinen Namen in „Weihnachten im Weltall“ verwenden zu dürfen. Warum hab ich nicht ungefragt ganze Passagen aus seinen Büchern verwendet?

4 Kommentare zu „Robert Menasse auf den Spuren von Claas Relotius?

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  1. So ist das auch zu Ihnen gekommen? Haben Sie die „Hauptstadt“ gelesen oder vorher schon von Robert Menasse gehört?
    Ich kenne ihn, weil wir beide in Wien leben, schon sehr lang und ich hatte, Sie wissen es, die Ironie fällt mir manchmal etwas schwer, manchmal Schwirigkeiten seine Satire und seinen Humor zu verstehen, das kennen Sie doch auch und mich dann mit ihm catchte.
    Ich habe ihn auch einige Mael auf Preisverleihungen oder auf der Veranstaltung zur Ehrenbürgerschaft für Friederike Mayröcker erlebt, wo er sehr engegiert auf den damaligen Bürgermeister zugegangen ist und ihm seine Meinung gegen, die Bedrohung des Wiener Funkhauses, was damals aktuell war, sehr energisch kundtat.
    Das ist Robert Menasse, ein sehr selbstbewußter linksengagierter Satiriker, wie Sie vielleicht einer auf der rechten Seite ist.
    Und nun zu den aktuellen Vorwürfen, die ich nur sehr am Rande mitbekommen habe. In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr beim MC Donald im Traisenpark in der „Kronenzeitung“, daß er da von H. C. Strache aufgedeckt wurde und dann habe ich, glaube ich, auch ein Statement von ihm gelesen, das sich die Fiktion vom Journalistmus unterscheidet, weil man da auch etwas erfinden kann und nicht so genau zitieren muß, wie es ihm da offenbar passierte und nun stürzen sich alle auf ihn und es soll ihm, wie ich weiter hörte, ein Preis aberkannt werden.
    Er wird es aushalten, denn er ist, glaube ich, sehr selbstbewußt, ein großartiger, wenn auch etwas zynischer Schriftsteller und sein „Hauptstadt-Buchpreisbuch ist sehr toll.
    Ich habe es gelesen https://literaturgefluester.wordpress.com/2017/10/01/die-hauptstadt/, lesen Sie es auch und diskutieren wir dann darüber und wenn Sie es wollen auch weiter über die Ironie und was man da sagen darf oder nicht, wo Sie ja manchmal, wie wir schon gesehen haben, auch sehr nahe an der Grenze sind oder die vielleicht sogar überschreiten!

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    1. Frau Jancak, Sie schmeißen da wieder mal Dinge fröhlich durcheinander.

      Ein Zitat heißt Zitat, weil es jemanden zitiert, also wörtlich wiedergibt. Wenn Sie ein Zitat verfälschen, ist es ein falsches Zitat (falsch = engl. Fake) Klar können Sie ein Zitat ironisch verballhornen, dann muss es aber als Ironie erkennbar sein und deshalb sollte man Ironie auch nur anwenden, wenn sie anwenden kann!

      Natürlich kann man in der Fiktion Dinge erfinden und im Journalismus nicht. Das bedeutet aber nicht, dass man reale Zitate realer Personen nach Lust und Laune umdichten kann, nur weil es im Umfeld einer fiktiven Handlung eingebaut wurde. Und mit dem, was man „sagen darf“ und was nicht, hat das ganze Thema schon mal gar nix zu tun! Sie dürfen einfach nicht falsch zitieren, basta. Ganz einfach.

      Alles eigentlich ganz normale und allseitsbekannte Grundlagen des Schreibens … sollte man meinen (seufz)

      Nein, ich hab nichts von ihm gelesen, muss ich auch nicht, denn es ändert nichts an den Vorwürfen. Was Herr Strache da aufgedeckt hat, weiß ich auch nicht. Wenn es noch ein Faux-Pas von Herrn Menasse gab, umso trauriger.

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  2. Ich schmeiße nichts durcheinander, denn ich habe mich mit dem Fall nur so nebenbei beschäftigt und Ihnen das wiedergegeben, was ich gelesen habe und meine Meinung geschrieben, daß ich Herrn Menasse und seinen Zynismus kenne und es so, wie ich es verstanden habe, um eine schlecht zitierte Fiktion gegangen ist, die dann entsprechend aufgebauscht wurde und wahrscheinlich mit dem Fall Relotius, der ja ein Journalist ist, während es sich bei Menasse um einen Schriftsteller handelt, der mit der Fiktion spielt, nicht zu vergleichen ist, liebe Grüße!

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