Godless Sun – Rezension

Godless Sun, Roman von Claude Cueni, 2006 OFFIZIN Zürich Verlag, 367 Seiten Hardcover ISBN 978-3-906276-40-3

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(Bildquelle: http://www.cueni.ch/buecher/godless-sun/

Mitch ist ein 43-jähriger Autor von Heftromanen. Eine Tätigkeit, die ihm zwar ein geregeltes Einkommen verspricht, ihn aber inhaltlich nicht befriedigt. Er lebt zurückgezogen mit seinem 88-jährigen Onkel Calvin in einer alten Villa. Mitch hat schon vor einiger Zeit ein Buch namens „Godless Sun“ geschrieben, in dem er Religionen durchweg als bloße Erfindungen bezeichnet, als Einbildungen und/oder frühgeschichtlicher Fehlinterpretationen von Naturereignissen. Kurzum, für ihn als Atheist sind Religionen der größte Menschheitsbetrug aller Zeiten. Zunächst verkauft sich das Buch nur schleppend, als aber seine engsten Freunde beginnen, den Roman per Social Media, Internet und sonstiger Werbung zu pushen, wird er quasi über Nacht zu einem gefragten Medienstar und „Godless Sun“ zu einem Bestseller. Nach und nach beginnt die Sache jedoch aus dem Ruder zu laufen, es entsteht eine Art Sekte um das Buch herum, mit Mitch als unfreiwilligem „Master“, als Führer einer neuen Bewegung, einer neuen Religion, also genau das, was er in dem Buch angeprangert hat.

Wäre das noch nicht genug, entfacht er damit einen Glaubenskrieg der – wie sollte es anders sein – Moslems gegen die Ungläubigen, der rund um den Globus apokalyptische Ausmaße annimmt.

Claude Cueni, von einigen als der deutschsprachige Michel Houllebecque bezeichnet, malt ein durchaus düsteres, aber keineswegs unglaubwürdiges Bild. In einigen anderen Rezensionen wird Cueni unterstellt, ein Plagiat von Houllebecques Unterwerfung verfasst zu haben, nicht zuletzt deswegen, weil er den Begriff „Unterwerfung“ wiederholt benutzt. Kann ich so nicht nachvollziehen, bedeutet doch „Islam“ übersetzt nichts anderes als „Unterwerfung“ und genau darum geht es auch. Vor dem Hintergrund der Migrantenströme und der damit verbundenen schleichenden Islamisierung Europas, erwächst ihm plötzlich ein noch grösser Gegner, der sich um Rechtsstaatlichkeit und Freiheitsrechte einen Dreck schert und mit falsch verstandener Toleranz geduldet wird. Onkel Calvin ist meine Lieblingsfigur, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt, was aktuelle Entwicklungen angeht.Ashampoo_Snap_2018.12.24_12h15m14s_001_

Ein weiterer Dialog auf den Seiten 139-141 zeigt, wie akribisch Cueni beim Schreiben recherchiert haben muss, denn ein Security-Angestellter eines Aufnahmelagers öffnet Mitch die Augen über das, was tagtäglich ins Land strömt

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Und Kofi, ein befreundeter Taxifahrer und Moslem stellt seinerseits berechtigte Fragen

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Ein spannender, sehr aktueller Roman. Wer weiß, wie aktuell er angesichts der Entwicklungen noch sein wird. Erwähnte ich schon, dass ich Onkel Calvin mag?

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Bildquelle: http://www.cueni.ch/buecher/godless-sun/

3 Kommentare zu „Godless Sun – Rezension

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  1. Dann würde ich Ihnen auch noch Monika Maron „Munin oder Chaos im Kopf“, Norbert Gstrein „Die kommenden Jahre“ und die Anthologie „Das Herz verläßt keinen Ort an dem es hängt“ empfehlen.

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