Todesengel – Rezension

Andreas Eschbach Todesengel Roman
Verlag Bastei-Lübbe, Köln. Hardcover, 541 Seiten, ISBN 978-3-7857-2481-1

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Andreas Eschbach ist einer der bekanntesten SciFi-Autoren Deutschlands und nicht erst seit dem Jesusvideo ein Inbegriff für spannende Unterhaltung. 2013, dem Erscheinungsjahr von Todesengel, war Eschbach mit seinem Roman quasi seiner Zeit voraus, sind doch seit 2015 Gewalttaten rasant angestiegen.In einer Großstadt wird ein alter Mann beinahe zum Opfer zweier Jugendlicher – ein Vorfall, der es heute nicht mal mehr auf die dritte Seite schafft – doch im letzten Moment greift ein Unbekannter ein, erschießt die beiden Angreifer und verschwindet. Der alte Mann beschreibt seinen Retter als strahlenden, leuchtenden Racheengel. Natürlich glaubt ihm die Polizei nicht, sondern verdächtigt ihn selbst. Kurz darauf ereignet sich ein ähnlicher Fall, woraufhin die Polizei eine SoKo bildet. Die Bevölkerung hingegen ist auf der Seite des Racheengels, denn endlich ist jemand da, der sie wirklich beschützt. Etwas, wozu die Polizei schon lange nicht mehr in der Lage ist.

Der Journalist Ingo Praise, der die Sache engagiert veröffentlicht, bekommt eine Talk-Show, in der er sich mit verschiedenen Gästen über dieses Thema unterhält. Dort prangert er vor einem großen Publikum an, was ihn schon lange beschäftigt: Wieso wird jemand, der Steuern hinterzieht, härter bestraft als jemand, der einen anderen Menschen zum Krüppel schlägt? Wieso geht die Justiz mit denen, die andere aus einer Laune heraus attackieren, gnädiger um als mit denen, die sich dagegen verteidigen?

Ingo Praise macht den Racheengel zum Star – und beschwört damit eine Katastrophe herauf.

Ich denke mal, den Schluss musste Andreas Eschbach so schreiben, weil es weder sein kann noch darf, dass ein solcher Racheengel bis zum Schluss positiv dargestellt wird. Sei’s drum, obwohl ich an der Stelle schon ein bisschen enttäuscht war. Jedoch macht es die Geschichte an sich wieder wett, nicht zuletzt, da in der Erklärung, weshalb der Rächer als strahlender Engel erscheint, Eschbach ein bisschen SciFi in die Geschichte bringt. Eschbach greift jedoch vor allem den Umgang mit (Jugend)gewalt gekonnt auf, sowie die Tatsache, dass sich beinahe alle großen Medien, seien es Print oder TV, darin überbieten, Verständnis in erster Linie für die Täter aufzubringen. Die schwierige Kindheit, fehlende Liebe, missglückte Integration –  blablabla – immer ist die Gesellschaft  schuld, nie der Täter. Und dann natürlich die Härte, mit der der Staat auf einmal dann doch reagieren kann, wenn ein Unbeteiligter sich dazwischen stellt und der arme Täter zur Abwechslung auch einmal zu Schaden kommt. Eine Figur ist mir besonders in Erinnerung geblieben, ein Talkgast, der vehement der Behauptung widerspricht, eine schlechte Kindheit, geringe Chancen usw. würden unweigerlich zu Gewalt führen. Im Gegenteil ist er Ansicht, man sei stets selbst für sein Handeln und seine Zukunft verantwortlich. Der Knabe tat echt gut!!! Und dann sind da die versteckten Details in der Handlung, die an tatsächliche Ereignisse erinnern, z. B. wird ein Buch erwähnt, das im „Jonny-K-Verlag“ erschienen ist! An dieser Stelle Danke an Andreas Eschbach für die Erinnerung an eines der unzähligen Opfer importierter Gewalt!

Tagesaktuell, wie schon erwähnt! Andreas Eschbach hat somit schon vor fünf Jahren einen zeitlosen Thriller geschrieben!

 

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