Ironie und Sarkasmus in der Literatur und im Alltag

Donnerwetter! Klingt nach wissenschaftlicher Abhandlung, oder? Ist es aber nicht, das können andere bestimmt besser als ich. Anlass für diesen Text ist mein Disput mit meiner Freundin Eva Jancak betreffend diesen Blogbeitrag. Aber dazu später mehr.

I. Literatur

Ironie ist seit gefühlten Urzeiten ein allgemein anerkanntes Stilmittel, um gesellschaftliche oder politische Ereignisse oder Entscheidungen zu kommentieren, indem man diese bewusst übertreibt und durch diese Übertreibungen dazu anregt, darüber nachzudenken. Ein schönes Beispiel ist der irische Schriftsteller und Satiriker Jonathan Swift. Seine bekannteste Satire ist A Modest Proposal, worin er als Reaktion auf die durch die englische Politik verursachte Armut in Irland zur Beseitigung der Überbevölkerung, Armut und Kriminalität vorschlägt, irische Babys als Nahrungsmittel zu nutzen und durch Export Profit daraus zu schlagen. Es handelt sich hierbei um eine ironische Strategie, in der der Standpunkt des Gegners übernommen und ins Absurde übertrieben wird. Man nennt sie simulatio, im Gegensatz zu dissimulatio, in der der eigene Standpunkt verborgen bleibt.

Weil sich Ironie folgerichtig in strategischer Absicht der einsinnigen Mitteilung verweigert, ist sie – genau wie der Ironiker als Person – seit der Antike denen suspekt, die auf Offenheit, Klarheit, Verständlichkeit und Direktheit Wert legen.

Quelle

In der Aufzählung fehlt m. E. der Hinweis, dass man Ironie auch nur dann wirklich verstehen und einordnen kann, wenn man a)auf dem Laufenden ist, was um einen herum passiert und b)aller Ernsthaftigkeit zum Trotz einen gewissen Sinn für Humor hat. Ein schönes Beispiel dafür ist ein Zitat des wunderbaren Henryk M. Broder, der über eine Grünen-Politikerin sagte:

Katrin Göring-Eckardt ist eine gute Rednerin. Sie spricht frei und in ganzen Sätzen, aber es ist halt Schwachsinn in ganzen Sätzen

Liest man das und hat keine Ahnung, worauf der Verfasser sich bezieht, wird’s natürlich schwierig. Man könnte natürlich hingehen und recherchieren. Oder den Verfasser fragen, wie er es denn gemeint hat. Oder man kann sich all dem verweigern, den Verfasser als „Hetzer“ bezeichnen und seinen Text völlig aus dem Zusammenhang reißen.

So wie es in einem bestimmten Spektrum heutzutage offenbar Usus ist.

Henryk M. Broder hat übrigens ein herrliches Buch geschrieben mit dem Titel

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Von der ersten bis zur letzten Seite voll mit ironischen Seitenhieben und sarkastischen Bemerkungen zum politischen Geschehen in Deutschland. Womit wir beim zweiten Aspekt wären

II. Alltag

Wer klaren Verstandes durch die Welt geht, kommt gar nicht umhin, in Sarkasmus zu verfallen. Wenn in Facebook in einer Woche vier Übergriffe durch „Neubürger“ diskutiert werden und die Leute völlig zu Recht böse werden, kommentiere ich das mittlerweile mit meinem Standardsatz „Nicht aufregen, Leute. Ist nur ein regionaler Einzelfall. Wir schaffen das!

Das ist Sarkasmus. Denn natürlich ist es kein Einzelfall, natürlich schaffen wir es nicht und selbstverständlich muss man sich darüber aufregen. (Infragestellen können das nur völlig merkbefreite und empathielose Personen. Auch die muss es geben, leider.) Insofern ist Ironie ein völlig probates Mittel, dem alltäglichen Wahnsinn zu begegnen, ohne selbst durchzudrehen.

Nun wird uns ja immer und immer wieder von einem gewissen Spektrum gebetsmühlenartig eingetrichtert, alle Menschen seien doch gleich. Die Herkunft spiele keine Rolle, die Kultur spiele keine Rolle, die Hautfarbe spiele keine Rolle, die Religion spiele keine Rolle, eigentlich spielt also überhaupt gar nichts eine Rolle und nichts hat mit nichts zu tun. Natürlich ist genau das der von Broder gemeinte Schwachsinn in ganzen Sätzen und kluge Leute wissen das.

Genau auf diesen Alle-Gleich-Blödsinn und auch auf diese unsägliche MeTwo Kampagne, in der sich Migranten über dieses ach so böse Deutschland ausheulen dürfen, das ja sooo rassistisch ist, habe ich mich in dem oben verlinkten Blogbeitrag ironisch bezogen, als ich schrieb „… möchte ich auch mal ganz empört anmerken, dass ich mich rassistisch angegriffen fühle, jawohl …“ Denn LOGISCHERWEISE gibt es Unterschiede zwischen Menschen!

Und was macht meine Freundin Eva Jancak daraus? (Nachzulesen in den Kommentaren)

… ein Rechter der keine Blutgruppen gelten lassen will

und

Wär aber ein schönes Bild. Ein Rechter hat einen Unfall, kommt in ein Spital, braucht eine Bluttransfusion und die einzige Blutgruppe, die zu ihm passt, stammt von einem Schwarzen!

Eigentlich schlimm, dass man Anno 2018 Ironie und Sarkasmus noch erklären muss. Obendrein vor dem Hintergrund, dass es wahrscheinlich doch wieder nur diejenigen verstehen, die … ach, lassen wir das.

 

 

Ein Kommentar zu „Ironie und Sarkasmus in der Literatur und im Alltag

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